Wer einen Fernseher ersetzen möchte, landet schnell beim XGIMI Horizon Pro 4K. Das Konzept klingt zunächst ideal: 4K-Auflösung, hohe Helligkeit, integrierte Lautsprecher, Autofokus und automatische Trapezkorrektur – und das alles in einem relativ kompakten Gehäuse. In der Praxis zeigt sich aber schnell, dass ein guter Beamer nicht nur von seiner Auflösung lebt.
Der XGIMI Horizon Pro richtet sich vor allem an Nutzer, die ohne komplizierten Heimkino-Aufbau ein großes Bild genießen möchten. Besonders interessant wird er für Filmabende, Gaming und flexible Nutzung in mehreren Räumen. Gleichzeitig gibt es einige Punkte, die man vor dem Kauf kennen sollte: Die Netflix-Unterstützung ist problematisch, die automatische Bildkorrektur ist nicht immer die beste Lösung und die Gaming-Leistung hängt stark vom gewählten Bildmodus ab.
Dieser Test zeigt deshalb nicht nur die technischen Daten, sondern auch, wie sich der XGIMI Horizon Pro im Alltag schlägt – und für wen er heute noch sinnvoll ist.
XGIMI Horizon Pro 4K: Was steckt dahinter?
Der Horizon Pro ist ein kompakter 4K-DLP-Beamer mit LED-Lichtquelle. Er arbeitet mit einer Auflösung von 3840 × 2160 Pixeln und wird mit einer Helligkeit von 2.200 ANSI-Lumen angegeben. Dazu kommen HDR10/HLG-Unterstützung, Autofokus, automatische Keystone-Korrektur und ein integriertes Harman-Kardon-Lautsprechersystem.
Wichtig ist allerdings eine technische Feinheit: Bei der 4K-Darstellung kommt Pixel-Shifting zum Einsatz. Das bedeutet nicht, dass das Bild sichtbar unscharf wäre. In Praxistests wurde die Detaildarstellung als sehr scharf empfunden und konnte auch im Vergleich mit einem 4K-Fernseher überzeugen.
Die wichtigsten Eigenschaften im Überblick
- 4K-UHD-Bild mit 3840 × 2160 Pixeln
- 2.200 ANSI-Lumen laut Hersteller
- LED-Lichtquelle
- HDR10 und HLG
- Autofokus
- automatische Trapezkorrektur
- Android TV
- integrierter Google Assistant
- zwei HDMI-2.0-Anschlüsse
- zwei USB-2.0-Anschlüsse
- Ethernet und WLAN
- 2 × 8-Watt-Lautsprecher von Harman Kardon
- 3D-Unterstützung
- angegebene LED-Lebensdauer von bis zu 25.000 Stunden
Damit ist der Horizon Pro weniger ein klassischer, fest installierter Heimkino-Projektor und eher ein Lifestyle-Beamer mit ernstzunehmender Bildqualität.
Bildqualität: Wo der Horizon Pro wirklich überzeugt
Die größte Stärke des XGIMI Horizon Pro ist eindeutig das große, detailreiche Bild.
Bei 4K-Material wirken feine Strukturen, Landschaften und Texturen überzeugend. Besonders in einem abgedunkelten Raum kann der Beamer seine Stärken ausspielen. Auch HDR-Inhalte profitieren von der hohen Lichtleistung, wobei man von einem kompakten LED-Projektor natürlich nicht dieselben tiefen Schwarzwerte wie bei einem OLED-Fernseher erwarten sollte.
Messungen verschiedener Tests zeigen außerdem, dass die Farbdarstellung durchaus ordentlich ausfällt. Tom’s Guide ermittelte beispielsweise eine vollständige sRGB-Abdeckung und rund 83 Prozent des DCI-P3-Farbraums.
Für welche Räume eignet er sich?
Hier wird es interessant.
Die hohe Helligkeit bedeutet, dass der Horizon Pro nicht ausschließlich im komplett dunklen Kellerraum verwendet werden muss. Bei Tageslicht bleibt das Bild grundsätzlich sichtbar. Für echtes Heimkino sollte der Raum jedoch möglichst stark abgedunkelt werden.
Der Unterschied ist in der Praxis erheblich:
Helles Wohnzimmer:
Gut für Nachrichten, YouTube, Sport oder gelegentliches Gaming.
Abends mit gedimmtem Licht:
Deutlich bessere Schwarzwerte und kräftigere Bildwirkung.
Dunkler Heimkinoraum:
Hier kommt die 4K-Darstellung am besten zur Geltung.
Ein häufiger Fehler besteht darin, nur auf die ANSI-Lumen zu achten. Die Projektionsfläche, Wandfarbe, Raumbeleuchtung und der Abstand zur Wand beeinflussen das tatsächliche Seherlebnis mindestens genauso stark.
Autofokus und Keystone: Komfort statt Perfektion
Der Horizon Pro gehört zu den Beamern, die den Einstieg besonders einfach machen.
Beim Aufstellen kann das Gerät automatisch fokussieren und das Bild korrigieren. Das ist praktisch, wenn der Projektor nicht exakt parallel zur Projektionsfläche steht. Gerade bei spontanen Filmabenden spart das Zeit.
Aber hier kommt einer der weniger offensichtlichen Punkte:
Automatische Keystone-Korrektur ist zwar bequem, kann aber Bildqualität kosten.
Wenn das Gerät schräg zur Wand steht, wird das Bild digital angepasst. Dadurch werden nicht mehr alle verfügbaren Pixel optimal genutzt. Für maximale Schärfe sollte der Horizon Pro deshalb möglichst gerade auf die Projektionsfläche ausgerichtet werden.
Meine praktische Empfehlung wäre daher:
- Beamer möglichst mittig zur Leinwand aufstellen.
- Höhe und Abstand mechanisch korrekt einstellen.
- Autofokus verwenden.
- Keystone nur dann einsetzen, wenn es wirklich nötig ist.
Für gelegentliche Nutzung ist die Automatik hervorragend. Für einen festen Heimkino-Platz lohnt sich eine saubere physische Ausrichtung.
XGIMI Horizon Pro und Deckenhalterung
Wer den Beamer dauerhaft nutzen möchte, denkt schnell über eine XGIMI Horizon Pro Deckenhalterung nach.
Grundsätzlich ist eine Deckenmontage sinnvoll, weil der Projektor dadurch einen festen Standort bekommt. Außerdem muss man ihn nicht jedes Mal vor dem Sofa oder auf einem Tisch platzieren.
Der Horizon Pro kann bei einer umgedrehten Montage das Bild entsprechend anpassen. Ein Praxistest bestätigte, dass das Gerät bei einer Deckenmontage die invertierte Position erkennen und das Bild automatisch korrigieren konnte.
Allerdings gibt es einen wichtigen praktischen Punkt: Das Netzteil befindet sich außerhalb des Projektorgehäuses. Bei einer Deckenmontage muss deshalb nicht nur der Projektor, sondern auch die Stromversorgung sinnvoll untergebracht werden.
Ein unterschätzter Vorteil der Deckenmontage
Die feste Position verbessert nicht nur die Optik des Raumes. Sie macht auch den täglichen Betrieb angenehmer.
Wenn der Projektor jedes Mal exakt an derselben Stelle steht, bleiben Fokus, Bildgröße und Ausrichtung konsistenter. Man ist weniger darauf angewiesen, nach jedem Verschieben erneut Keystone und Fokus zu korrigieren.
XGIMI Horizon Pro Netflix: Der wichtigste Haken
Wenn Netflix für dich eine zentrale Streaming-App ist, solltest du diesen Punkt vor dem Kauf kennen.
Der Horizon Pro basiert auf Android TV, aber Netflix wird auf diesem Gerät nicht so unterstützt, wie man es von einem modernen Smart-TV erwarten würde. Verschiedene Tests berichten, dass die Netflix-App entweder nicht regulär verfügbar ist oder Inhalte nicht zuverlässig direkt über den Projektor abgespielt werden können.
Das ist kein klassisches Hardwareproblem.
Der Beamer kann Netflix technisch darstellen. Das Problem liegt vielmehr bei der offiziellen Unterstützung und Zertifizierung.
Die bessere Lösung
Wer Netflix, Disney+ und andere Streamingdienste ohne Bastellösungen nutzen möchte, sollte einen externen Streaming-Player über HDMI anschließen.
Das ist aus meiner Sicht sogar die sauberere Lösung. Ein separater Streaming-Player kann leichter aktualisiert oder später ersetzt werden, während der Projektor hauptsächlich das macht, was er am besten kann: das Bild erzeugen.
Praktischer Tipp: Wenn dein Nutzungsverhalten zu 80 Prozent aus Netflix besteht, solltest du die Kosten und den zusätzlichen HDMI-Anschluss für einen externen Streaming-Player von Anfang an einplanen.
Gaming mit dem Horizon Pro
Der Horizon Pro ist kein Hardcore-Gaming-Projektor, kann aber durchaus Spaß machen.
Entscheidend ist der Game Mode.
Messungen zeigen einen deutlichen Unterschied zwischen den Modi. ProjectorCentral kam im Game Mode auf etwa 34,6 ms bei 1080p/60 Hz, während normale Bildmodi über 118 ms erreichen konnten. Andere Tests ermittelten im Game Mode sogar Werte um 24 ms.
Das bedeutet:
- Casual Gaming: sehr gut geeignet
- Singleplayer-Spiele: gut geeignet
- Rennspiele: ordentlich
- Konsolen-Gaming: gut
- kompetitive Shooter: weniger ideal
Der häufigste Fehler wäre, die Konsole anzuschließen und einfach den Standard-Bildmodus zu verwenden.
Für Gaming immer Game Mode aktivieren.
Außerdem sollte man bei Spielen auf zusätzliche Bewegungsoptimierung verzichten, wenn eine möglichst geringe Verzögerung wichtig ist. Praxistests zeigen, dass deaktivierte Motion Compensation die Reaktionszeit verbessern kann.
Lautsprecher: überraschend brauchbar
Bei Beamern sind integrierte Lautsprecher häufig ein Kompromiss. Beim Horizon Pro ist die Situation erfreulich anders.
Die beiden 8-Watt-Harman-Kardon-Lautsprecher liefern für die Größe des Geräts einen erstaunlich kräftigen und klaren Klang. Mehrere Tests loben insbesondere die Lautstärke und den vergleichsweise vollen Klang.
Für einen normalen Filmabend reicht das durchaus.
Für ein echtes Heimkino würde ich trotzdem eine Soundbar oder ein separates Soundsystem bevorzugen. Das liegt weniger an einer schlechten Klangqualität als an der räumlichen Begrenzung eines kompakten Projektorgehäuses.
Was im XGIMI Horizon Pro Test weniger gefällt
Kein Gerät ist perfekt. Beim Horizon Pro fallen insbesondere diese Punkte auf:
1. Netflix ist umständlich
Das ist wahrscheinlich die größte Alltagsschwäche. Wer einen vollständig eigenständigen Streaming-Beamer erwartet, könnte enttäuscht werden.
2. Schwarzwert ist nicht auf OLED-Niveau
Die Bildhelligkeit ist gut, aber dunkle Szenen zeigen die Grenzen eines kompakten Projektors. Ein OLED-TV liefert deutlich tiefere Schwarztöne.
3. Keystone sollte sparsam eingesetzt werden
Die Automatik ist bequem, aber eine physisch saubere Aufstellung ist für maximale Schärfe besser.
4. HDMI 2.0 statt HDMI 2.1
Wer moderne Gaming-Funktionen eines aktuellen HDMI-2.1-Setups erwartet, sollte genau hinschauen. Der Horizon Pro ist eher auf 4K/60-Hz-Heimkino als auf High-End-Gaming mit den neuesten TV-Standards ausgelegt.
5. Die Fernbedienung ist minimalistisch
Die reduzierte Bedienung sieht elegant aus, kann aber im Alltag etwas umständlich sein. Direkte Tasten für bestimmte Eingänge oder Bildmodi wären praktischer.
Drei weniger offensichtliche Erkenntnisse aus der Praxis
Der beste Aufstellort ist nicht automatisch der bequemste
Es klingt banal, ist aber entscheidend: Ein Projektor liefert sein bestes Bild nicht unbedingt dort, wo er am einfachsten aufgestellt werden kann. Ein paar Zentimeter zusätzliche Ausrichtung können mehr bringen als eine aggressive digitale Bildkorrektur.
Ein externer Streaming-Player ist kein Nachteil
Viele Käufer sehen ihn zunächst als zusätzliche Komponente. Tatsächlich kann das Gegenteil der Fall sein. Der Projektor bleibt dadurch langfristig für die Bildwiedergabe zuständig, während Streaming-Hardware unabhängig aktualisiert werden kann.
Die Bildgröße verändert die wahrgenommene Qualität stärker als erwartet
Ein sehr großes Bild wirkt beeindruckend, kann aber bei ungünstigen Lichtverhältnissen weniger kontrastreich erscheinen. Eine etwas kleinere Projektion in einem dunkleren Raum kann subjektiv besser aussehen als ein riesiges Bild im hellen Wohnzimmer.
Für wen lohnt sich der XGIMI Horizon Pro?
Der Horizon Pro passt besonders gut zu dir, wenn du:
- ein sehr großes 4K-Bild möchtest,
- keinen klassischen Heimkino-Projektor aufbauen willst,
- Wert auf einfachen Autofokus legst,
- gelegentlich mit PS5, Xbox oder anderen Konsolen spielst,
- integrierte Lautsprecher nutzen möchtest,
- den Projektor flexibel zwischen Räumen bewegen willst,
- oder eine dauerhafte Deckenmontage planst.
Weniger passend ist er, wenn du:
- ausschließlich Netflix direkt auf dem Gerät nutzen möchtest,
- maximale Schwarzwerte erwartest,
- professionelles Competitive Gaming betreibst,
- HDMI-2.1-Funktionen benötigst,
- oder die bestmögliche Bildqualität ohne Kompromisse suchst.
XGIMI Horizon Pro vs. Fernseher: Was ist sinnvoller?
Die Entscheidung hängt letztlich nicht nur von der Bildqualität ab.
Ein Fernseher ist unkomplizierter, funktioniert bei Tageslicht besser und benötigt keine Projektionsfläche. Der Horizon Pro gewinnt dagegen bei der Bildgröße.
Ein 100-Zoll-Bild kann einen Filmabend wesentlich immersiver machen als ein 55- oder 65-Zoll-TV. Genau darin liegt der eigentliche Reiz des Beamers.
Wer dagegen hauptsächlich Nachrichten, Serien und normales Fernsehen schaut, ist mit einem guten Fernseher oft besser bedient.
FAQ
Unterstützt der XGIMI Horizon Pro Netflix?
Netflix ist beim Horizon Pro nicht offiziell und zuverlässig so integriert wie bei einem zertifizierten Smart-TV. Mehrere Tests berichten über Einschränkungen bei der Wiedergabe. Für regelmäßiges Netflix-Streaming empfiehlt sich deshalb ein externer Streaming-Player über HDMI.
Ist der XGIMI Horizon Pro echtes 4K?
Der Horizon Pro erzeugt eine 4K-UHD-Ausgabe von 3840 × 2160 Pixeln, nutzt dafür jedoch Pixel-Shifting. In der Praxis wurde die Bildschärfe von mehreren Testern als überzeugend bewertet. Wer speziell natives 4K ohne Pixel-Shifting sucht, sollte die Projektionstechnologie vor dem Kauf genau vergleichen.
Kann man den XGIMI Horizon Pro an der Decke montieren?
Ja. Der Projektor lässt sich grundsätzlich für eine Deckenmontage verwenden und kann die Bildorientierung bei umgekehrter Montage anpassen. Wichtig ist eine passende Halterung sowie eine saubere Planung der externen Stromversorgung.
Ist der XGIMI Horizon Pro gut zum Gaming?
Für Casual- und Konsolengaming ist er gut geeignet. Im Game Mode wurden je nach Test ungefähr 24 bis 35 ms Input-Lag gemessen. Für kompetitives Gaming sind moderne Gaming-Monitore oder entsprechend schnelle Fernseher dennoch die bessere Wahl.
Wie gut sind die Lautsprecher des XGIMI Horizon Pro?
Für einen kompakten Beamer sind die integrierten 2 × 8-Watt-Harman-Kardon-Lautsprecher ungewöhnlich gut. Sie sind für normale Filmabende ausreichend und deutlich besser als viele typische Projektorlautsprecher. Ein separates Soundsystem bietet allerdings weiterhin mehr Räumlichkeit und Dynamik.
Fazit
Der XGIMI Horizon Pro 4K bleibt ein interessanter Beamer für alle, die ein großes, scharfes Bild mit möglichst wenig Installationsaufwand möchten. Seine Stärken liegen bei der 4K-Darstellung, der hohen Helligkeit, dem einfachen Autofokus, den guten integrierten Lautsprechern und der flexiblen Nutzung.
Seine Schwächen sollte man jedoch nicht ignorieren. Netflix ist nicht so unkompliziert wie bei einem modernen Smart-TV, Keystone sollte nicht übermäßig eingesetzt werden und anspruchsvolle Gamer finden schnell bessere Alternativen.
Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, ob der Horizon Pro „gut“ oder „schlecht“ ist. Er ist besonders dann gut, wenn du einen unkomplizierten Großbild-Projektor suchst und bereit bist, für Streaming gegebenenfalls ein separates Gerät einzusetzen.
Für einen gemütlichen Filmabend mit 100 Zoll oder mehr kann genau das die überzeugendere Lösung sein als ein deutlich kleinerer Fernseher.



